Über die Werbebranche hört man vieles. Nicht alles davon ist positiv. Wie immer sind die meisten Gerüchte übertrieben und haben doch einen wahren Kern. Aber was stimmt wirklich?

Die Vorurteile lauten: lange Arbeitszeiten und viele unbezahlte Überstunden (auch Wochenendarbeit), schlechte Bezahlung (gerade am Anfang), hoher Leistungsdruck, entspannte Arbeitsatmosphäre, wenig Freizeit, viele Partys.

Überstunden 

Was unbezahlte Überstunden und Wochenendarbeit angeht, kommt es immer darauf an, wo man landet. In vielen Top-Agenturen ist es tatsächlich so, dass die Kreativen mitunter bis spät in die Nacht und auch an einigen Wochenenden an ihren Schreibtischen sitzen. Dabei handelt es sich zwar um unbezahlte, aber nur selten auch um „befohlene“ Überstunden. Denn die meisten Kreativen, die viele Überstunden machen, tun das, weil sie selbst den Willen haben, ihre Arbeit so gut wie möglich zu machen und sich nicht mit der erst- oder zweitbesten Idee zufrieden geben. Ihre Arbeit ist ihr „Baby“. Wenn Ihnen bis 18.00 Uhr noch nicht die richtige Idee gekommen ist, dann bleiben sie eben so lange, bis sie kommt.

Im Übrigen werden bei den Überstunden oft Äpfel mit Birnen vergleichen. Es ist eben nicht dasselbe, ob ein Kreativer bis spät in die Nacht in der Agentur sitzt oder ein Beamter bis spät in die Nacht Akten bearbeitet. In Werbeagenturen herrscht ein völlig anderes Arbeitsklima und so werden oft auch während der Arbeitszeit private E-Mails geschrieben, Kaffeepausen gemacht oder im Internet gesurft.

Auf der anderen Seite gibt es auch Agenturen, in denen sich die Überstunden sehr in Grenzen halten. Dort herrschen dann aber vielleicht auch etwas andere Arbeitsbedingungen. Längere Kaffeepausen sollte man sich dort nicht leisten und auch nicht zwischendurch einfach mal zum Supermarkt um die Ecke gehen.

Bei den Arbeitszeiten läuft es so oder so auf ein faires Geben und Nehmen hinaus. Je mehr Überstunden man regelmäßig macht, desto lockerer ist oft auch das Arbeitsklima. Wichtig ist, dass man sich in der Agentur wohlfühlt.

Gehälter 

Es stimmt, dass die Einstiegsgehälter niedrig sind, doch das sind sie auch in Designagenturen. Und in der Werbung wird nach Leistung bezahlt und so kann das Gehalt nach wenigen Jahren sprunghaft ansteigen. Weil die besten Agenturen stets um die besten Kreativen kämpfen, werden hochdekorierte Kreative auch respektabel bezahlt.

Leistungsdruck 

Es stimmt, dass in Werbeagenturen hoher Leistungsdruck herrscht. Allerdings machen sich den die Kreativen meist selbst. Wer selbst nicht den Ehrgeiz hat, stets die bestmögliche Arbeit abzuliefern, wird es kaum zu etwas bringen. Druck von außen fördert nicht die Kreativität. Und wer immer von seinen Vorgesetzten zu mehr Leistung gepeitscht werden muss, wird auf Dauer keinen Spaß an der Arbeit mehr haben.

Etwas anders ist es beim Zeitdruck. Der ist tatsächlich ein ständiger Gast in Werbeagenturen und nur wer auch unter Zeitdruck kreativ arbeiten kann, wird es in der Werbung zu etwas bringen. Allerdings gilt das nicht allein für die Werbung, sondern auch für viele andere Branchen.

Partys 

Die legendären goldenen Zeiten der Werbung sind lange vorbei. Geschichten von Trinkgelagen am Mittagstisch, Drogenexzessen und Partyreisen gehören der Vergangenheit an. Der Glamour ist verflogen und der Beruf inzwischen harte Arbeit. Trotzdem oder gerade deshalb wird aber nach der Arbeit doch noch gerne die eine oder andere Party gefeiert. Wahrscheinlich mehr, als in anderen Branchen. Bei Weihnachtsfeiern und Sommerfesten wird gefeiert, was das Zeug hält und in vielen Agenturen gibt es kostenloses Bier, das nach dem Feierabend oder während der Überstunden getrunken werden kann.
Insgesamt ist die Werbung also eine Branche in der gerne gefeiert wird, aber trotzdem von den Szenarien vergangener Zeiten, wie sie auch in Filmen wie „39,90“ übertrieben geschildert werden, weit entfernt.

3 Responses

  1. Philipp

    Sehr schöner Artikel. Manchen der in die Branche einsteigen will sollte sich über die oben aufgeführten Fakten auseinandersetzen. Bevor das böse Erwachen kommt das nicht alles Party ist. ;)

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  2. d.signer@work

    Ein sehr beschreibender Artikel … genau so kenne ich das.

    Viele außenstehende Freunde oder Familienmitglieder verstehen
    das immer nicht so ganz, wieso man so viel überstunden für
    „wenig“ Geld macht.

    Oft hört man dann auch: „Wo soll denn da Leistungsdruck sein,
    bei euch arbeitet doch der Computer.“
    Tja, es gibt leider viel zu wenig Leute die Spaß an Ihrem Beruf
    haben und für Ihren Erfolg etwas tun wollen …

    Gruß an alle Mitstreiter da draußen.

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